An diesem recht ungemütlichen und nasskalten Dezembertag hatten wir von
Metal-Inside auf Einladung von EVEREVE und der Focusion Promotion & Marketing
Gelegenheit in einer Pre-Listening Session zusammen mit der Band vorab mal
in die 11 Songs für das am 24. März 2003 erscheinenden neue
Album der Goth-Rocker hineinzulauschen. Die neue Scheibe wird wahrscheinlich
auf den recht umfangreichen Namen ".enetics - 11 orgys of massenjoyment
on the dark side of the planet" hören - ich denke mit "Enetics" als "Merker"
fährt man da ganz gut! Nach dem Eintreffen in dem gut vorbereiteten Studio
(dabei noch mal ein großes Dankeschön an Iris von Focusion für die geniale
Vorbereitung, u.a. in Form einer hervorragenden Anfahrbeschreibung - sonst
hätte man das Studio echt suchen müssen) wurden wir durch den sympathischen
Keyboarder und Sänger MZ Eve51 begrüßt und direkt an die Getränke geführt
(auch wichtig). Im lockeren Plausch mit den anwesenden Bandmitgliedern,
Freunden der Band und Pressekollegen harrten wir den Dingen, die da aus
den Boxen kommen sollten. Dabei ergab sich auch die Gelegenheit einen kurzen
Smalltalk mit dem neuen Basser von EVEREVE zu halten - er ersetzte vor einigen
Monaten das langjährige Bandmitglied SMArt Basstard. Der Neue hört auf
den Künstlernamen O-IQ (the Bassdoctor) und scheint nach eigener Aussage
mit EVEREVE "nun sein Ding gefunden zu haben", nachdem er in seiner bisherigen
Laufbahn als ehemaliger Studiomusiker die unterschiedlichsten Musikstile
(von Funk bis Crossover) bedient hat. Im einem Statement der Band verriet
MZ Eve51 vorab: "Die neuen Songs werden die bewährte Symbiose aus harten
Gitarren uns spacigen Elektro-Sounds fortsetzen, wobei diesmal die Gitarren
mehr im Vordergrund stehen werden." Ob EVEREVE, welche auf ihrer letzten
Scheibe "E-Mania" einen recht elektronischen Cyber Gothic Metal präsentierten,
wieder etwas mehr Druck auf die Gitarren geben und damit ihre Ankündigung
wahrmachen - darauf waren die Versammelten echt gespannt. So, und hier jetzt
mal kurz die Titel der vorgestellten 11 Tracks und ein paar Stichwort dazu:
"This Heart" - Mit diesem Song eröffneten EVEREVE die Vorstellung ihrer neuen Tracks recht furios. Bereits hier sind im Unterschied zur letzten Scheibe E-Mania die deutlich verstärkten Gitarren auszumachen, ohne dabei aber die bekannten elektronischen und spacigen Spielereien auszuschließen. Gelungener Opener. "The More She Knows" - Etwas schwächer als der Opener, mit einem ruhigen Anfang versehen. Die Keys kommen hier recht stark rüber - der Song an sich fällt aber nicht ganz so auf - fehlt irgendwo der letzte Kick. Da kommt noch stärkeres. "Abraza La Luz (Embrace The Light)" - Erster Höhepunkt - vor allem die nicht alltäglichen spanischen Lyrics des Songs schaffen eine coole Atmosphäre. Dazu ein tanzbarer, treibender Rhythmus und harte Riffs - richtig starkes Teil. "Her Last Summer" - Hier geht man wieder etwas vom Gas - Mid-Tempo. Langsame, einschmeichelnde Gesangslinien wechseln sich ab mit einem härterem Refrainteil. Im Mittelteil wird es dabei fast poppig - Chartkompatibel das Ganze (wie die vorherigen Songs übrigens auch). "SilverGod" - Der Song könnte auch auf E-Mania enthalten gewesen sein. Hat Tempo und eindeutig starke elektronische Anteile, Keyboard und vor allem Gitarre klingen aber härter als früher. Der Sound bzw. der Druck der Songs ist bisher nicht so toll, deswegen mal Stellungswechsel, rüber in den Mischpultraum - Gute Entscheidung, schon klingt alles ein ganzes Stück druckvoller. "X-istence I'm Free" - Hier macht sich der bessere Sound auch gleich bemerkbar - schöne Melodie. Der Song erinnert auch wieder etwas an die E-Mania-Phase der Band. Mit einem schönen Klangteppich von den Keys unterlegt. Hat was! "Along Comes A Fool" - Noch mal so ein Hammerteil - heftige Gitarrenriffs nach klassisch angehauchten Keyboardintro. Dazu noch einige elektronische Spielereien. Was für den Tanztempel. "One More Day" - OK, und jetzt wieder etwas zum beruhigen. Der Track kommt aber trotz des gelungenen Mittelparts nicht an die vorherigen Stücke ran - hier scheint noch was zu fehlen. Kann aber auch sein, dass dieser Eindruck eben durch die beiden vorhergehenden schnellen Klassesongs entsteht. "Eat-Grow-Decay" - Hier legt man wieder einen Zahn zu. Vor allem durch einen recht heftigen Gesang und einen treibenden Instrumentalteil. Lädt auch zum tanzen ein - mit coolem Schluss. "1951" - Mit Kindergeschrei und Keyboard beginnt der letzte Song! Eine recht spacig gehaltene Halbballade, welche auch wieder Anleihen aus E-Mania-Tagen durchschimmern lässt. Aber ein wirklich gelungener Abschluss mit "Tür zu"-Effekt. Die Aussage der Band, dass man die Gitarren wieder etwas mehr in den Vordergrund stellen will, kann man nach diesen ersten Eindrücken nur bestätigen; allerdings scheint man dies nicht bei jedem Song bis zur letzten Konsequenz durchgezogen zu haben - ein leichtes (durchaus legitimes) Schielen auf die Charts ist nicht zu verleugnen. Was bei allen Songs auffällt - der Gesang von MZ Eve51 ist etwas weicher und weniger mechanisch als früher - auch hier ist eine Weiterentwicklung festzustellen. Dabei versucht man weiterhin den recht schwierigen Spagat zwischen Gothic und Metal - den man getrost wieder als gelungen betrachten kann. Auf das Release von ".enetics - 11 orgys of massenjoyment on the dark side of the planet" im März 2003 kann man mit einer gehörigen Portion Vorfreude gespannt sein. (hardy) |