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Besonders leichtfüßig sind die sechs düsteren Italiener um das Gesangsduo Cristina Scabbia (female vocals) und Andrea Ferro (male vocals) ja noch nie daher gekommen - dennoch übertrifft das mittlerweile dritte Komplettalbum der im Spannungsfeld von Gothic und Metal agierenden Band in Sachen Intensität alles bisher dagewesene von "Lacuna Coil", was nicht zuletzt daran liegen dürfte, dass sich die seit mehreren Jahren in unverändertem Line-Up agierende Band trotz des spürbar stärkeren Einsatzes von Keyboards und Samplern, dafür aber als Ausgleich auch schönen satten Bratgitarren und sauberer Drumarbeit mit viel größeren Schritten in Richtung Rock zu bewegt, als dies noch beim vielbeachteten Vorgänger "Unleashed Memories" der Fall gewesen war. Dank des ungebrochenen Gespürs für das Erzeugen dramatischer musikalischer Spannungen durch das Wechselspiel der in allen Belangen unterschiedlichen Stimmen von Cristina Scabbia und Andrea Ferro - der bis auf wenige Ausnahmen erneut zumeist in die ungeliebte Bösewicht-Rolle als schrecklicher Gegenspieler der standhaften, energischen und manchmal sogar engelsgleichen Cristina Scabbia schlüpfen muss - wird die Musik des italienischen Sextetts selbst nach mehrmaligem Zuhören nie langweilig, wenn man sich denn die Mühe macht, den dreizehn Songs auch wirklich sein geneigtes Ohr zu schenken und die Schönheit dieser zugleich lieblichen als auch herben Musik auf sich einwirken zu lassen. Schade allerdings, dass die italienische Sprache, die "Lacuna Coil" in der Vergangenheit wenigstens gelegentlich in ihre Songs mit einfließen lassen haben, mittlerweile fast vollständig auf der Strecke geblieben ist und dem international kompatiblen Englisch geopfert worden ist.
So erweist sich das vielgefürchtete, nicht wenigen Musikern zum finalen Verhängnis gewordene dritte Album im Fall von "Lacuna Coil" nicht nur als konsequente Fortführung des bereits mit den Vorgängern eingeschlagenen musikalischen Weges, sondern zudem als wegweisende Weiterentwicklung und Bereicherung der an kulturellen Einflüssen ohnehin nicht armen klanglichen Strukturen der Band, die den Hörern mit "Comalies" zweifelsohne eines der bemerkenswerteren Alben dieses an Höhepunkten nicht gerade reich gesegneten Jahres beschert. Doch trotz aller Melodik und dem auch von anderen Bands sogar im Pop-Bereich gern genutzten Spannungsaufbau einer lieblichen weiblichen Stimmen mit einem herben männlichen Gegenstück - wie beispielsweise Liv Kristine Espenæs und Raymond I. Rohonny von "Theatre of Tragedy" - bleibt "Lacuna Coil" eine immer schwermütig wirkende, gelegentlich spürbar zur Depression neigende Band, die auch zukünftig nur sehr begrenzt massenkompatibel sein dürfte, was ihr letztlich den großen Durchbruch verbauen, dem musikalischen Anspruch von Cristina Scabbia, Andrea Ferro und ihren Mitstreitern allerdings eher dienlich als abträglich sein sollte, so dass man sich jetzt schon auf den weiteren Werdegang der Band mit ihrer zeitlosen spröden Schönheit freuen darf, auch wenn bis zum kommenden Album wohl noch viel Wasser den Ebro, Po oder Arno runterfließen dürfte... (kpk)
Hurra, hurra, ein neues Album der Mailänder Lacuna Coil! Aber Moment, die werden doch in die Kategorie Gothic Metal gezählt, da ist es doch völlig unangebracht, gute Laune zu haben und zu frohlocken. Da heisst es doch düster und deprimiert zu sein, nicht wahr? Weit gefehlt, wer die ersten beiden Alben "In A Reverie" (1999) und "Unleashed Memories" (2001) kennt, der weiß, dass Lacuna Coil das Kunststück fertigbringen, traumhaft schöne Stücke zu schreiben, die nur mangels einer anderen Kategorie als Gothic Metal bezeichnet werden dürfen, da sie vor Anmut, Kraft und Lebensfreude nur so strotzen, wie es die Sonnenblume auf dem Cover durchaus passen wiedergibt. Klischees gibt es hier nur wenige, auch der weiblich/männliche Wechselgesang weiß wieder einmal mit mehr zu überzeugen als das alte Spiel von der schönen Trällertante und dem grunzenden Sängerbiest. Sänger Andrea Ferro zeigt sich von melodischer Vielfalt und muss sich keineswegs hinter seiner Kollegin Cristina Scabbia verstecken, auch wenn es sie ist, die die meiste Aufmerksamkeit auf sich zieht. Doch Lacuna Coil sind nicht nur Gesang, denn was wäre die beste Stimme, wenn die Songs langweilten? Sowohl die langsamen, sphärischen Perlen wie "Daylight Dancer" oder "Entwined" können fesseln, wie auch die rockigen Stücke wie "Self Deception", wo der inzwischen unverwechselbare Ferro noch immer ein wenig an Nick Holmes erinnert, oder das gänsehauterzeugende "Angel´s Punishment" den Hörer zwangsläufig mitreissen. Für alle Fans sei gesagt, dass es keine großen Überraschungen gibt, Lacuna Coil haben ihren Stil nicht verändert, nur perfektioniert, höchstens noch ein wenig in Richtung von The Gathering weiterverschoben, was die Verträumtheit und Intensität angeht. Wenn also der Sommer jetzt draussen in den letzten Zügen liegt, holt euch einfach diese Scheibe in den CD-Player, denn die garantiert eine Spätsommerstimmung fürs ganze Jahr, versprochen!
(mono)
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