Interview

25.06.2002 Entwine
 
ENTWINE-Trommler Aksu Hanttu gab sich nach ungefähr "hundert Jahren" sehnsuchtsvollens Wartens meinerseits doch noch die Ehre, die MI-Fragen zu beantworten. Der Mann studiert "Musik-Technologie", möchte also Produzent, Soundmixer oder Ton-Ingenieur werden. Neben der Musik frönt er dem Biere und dem "Salmari", einem seiner Meinung nach äußerst schmackhaften Lakritze-Schnappes. Am Morgen danach tut´s allerdings auch ein Grapefruit-Saft. Sauer macht lustig, oder was? Denn der finnische Melancholiker lachte gleich mehrmals. Traurig ist er aber auch. Weil die Tour nämlich schon zu Ende ist.
Mit eurer Single "The Pit" seid ihr gleich auf Platz sechs in die finnischen Charts eingestiegen.

Yeah, das war schon eine kleine Überraschung für uns. Wir hatten zwar gehofft, zu "charten", aber dass wir so hoch kommen, war schon eine nette kleine Überraschung. Ich weiß allerdings wirklich nicht, was das in verkauften Einheiten bedeutet. Das hängt ja auch davon ab, was zu der Zeit gerade noch auf dem Markt ist und was im gleichen Zeitraum von anderen Scheiben verkauft wird.

Ist der kommerzielle Erfolg auch ein Grund dafür, dass ihr euren Stil absolut geändert habt. Vom Death-Metal zum Gothic-Rock...

Eerr. Erstens: ENTWINE war nie Death-Metal. Tom Mikkola und ich hatten eine solche Band bis 1995 - mit anderem Namen und allem. Wir waren einfach gelangweilt von der Art von Musik und hörten plötzlich viel melodischeres und leichteres Zeugs. Und diese Einflüsse verarbeiteten wir dann mit ENTWINE. "Time Of Despair", unser drittes und aktuelles Album, ist meiner Meinung nach ein ziemlich rockiges Scheibchen. Locker-flockige Stücke, rockige Teile und Heavy-Stuff, von jedem etwas. Und ganz neu sind einige elektronische Elemente. Textlich hat sich überhaupt nichts geändert. Es geht um Trauer und solche Sachen. Für die Texte ist hauptsächlich Mika zuständig. In erster Linie beschreibt er seine Erfahrungen der vergangenen Jahre. Vor allem sind das emotionale Sachen, Gefühle, die wohl in jedermanns Leben wieder zu finden sind. Und du kannst sie so verstehen, wie du möchtest, es gibt nicht nur einen Weg der Interpretation.

Warum seid ihr denn eigentlich so fürchterlich traurig?

Wir haben diese melancholische Grundstimmung von Anfang an. So ist das nunmal, warum weiß ich auch nicht genau. Aber es ist die Art von Musik, die direkt aus unseren Herzen kommt.

Und so oder so ähnlich auch von HIM.

Dieses Thema ist ja wohl schon zu viele Male behandelt...

Ok, Lass uns über eure Heimat sprechen.

Wir kommen aus Lahti, 100 Kilometer nördlich von Helsinki. Wir leben also quasi im "Metal-Heaven". Hahahaha. Ich weiß auch nicht, warum Metal hier derzeit so populär ist. Vor fünf Jahren war das noch ganz anders. Vielleicht haben die Menschen einfach herausgefunden, dass das nun mal der coolste Musik-Stil der Erde ist. Is ja auch egal, es ist einfach geil, dass wir heutzutage auch im Radio regelmäßig und sogar zu guten Sendezeiten Metal hören können. Very cool!

Hast du denn viel Zeit, Radio zu hören?

Mehr als zum Saufen. Das klappt jedenfalls nicht so gut, weil es hier in Finnland viel zu teuer ist. Aber im Ernst: Ich persönlich habe nicht viel Freizeit. Ich habe die Schule und ENTWINE. Ich muss für die Penne wirklich viel tun, auch zu Hause. Und anschließend steht da die Band: Interviews, E-Mails, Band-Probe, Übungen für mich, Gespräche mit Manager und Booking-Agentur und und und. Mikkola arbeitet in einer großen Bäckerei, Tauriainen hängt einfach nur rum, Jaani lernt in einer Abendschule, Miettinen studiert irgendso´n Computer-Zeug und Heikkonen verbringt viel Zeit mit Ihrem gut einjährigen Baby. Für gewöhnlich beginnt mein Tag um 9 Uhr morgens und geht bis 4 Uhr in der Nacht. Am Wochenende versuche ich, den Computer mal ausgeschaltet zu lassen und mit meinen Freunden schöne Sachen zu machen. Wir gehen in Bars und haben Spaß. Ein Bierchen, Billard oder sowas. Ich mag Billard, auch wenn ich es nicht wirklich kann. Und wenn es die Zeit zulässt, tue ich was für meinen Körper. Fußball und im Winter Eishockey. Dann ist da noch die Natur: Ich liebe ihn, den "Smell of Finland"... Ich mag alle Jahreszeiten, vor allem aber den Winter. Wusstest du eigentlich, dass alle Doping-Skandale der finnischen Skisportler in Lahti stattfanden? In unserer Heimatstadt. Toll was, hahaha.

Zwischenzeitlich seid ihr ja auf Tour gewesen. Wie war´s denn?

Es war fantastisch. Wir haben so viel Spaß gehabt. Wir haben nette Leute getroffen, schöne Gigs gespielt und viel Tolles gesehen: Paris, Salzburg, Wien, Hamburg und das ganze Norwegen. Die Crew war "fucking great". Echte Kumpels und Profis. Die anderen Bands, Headliner Theatre Of Tragedy und Ram-Zet waren auch klasse. Wir sind mit Ram-Zet in einem Bus gereist und kamen uns so natürlich entsprechend nahe. Voll in Ordnung! Ich vermisse die Tour jetzt schon richtig. Hoffentlich geht´s bald mal wieder los. (mk)

 
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