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08.04.2001 Katatonia
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Ja, das stimmt, ich hoffe, daß wir demnächst wieder live zu
sehen sein werden! Es ist zwar in dieser Hinsicht noch nichts wirklich
konkretes geplant, aber wir arbeiten gerade zusammen mit unserem Label
dran, daß auf diesem Sektor wieder etwas passiert, denn wir wollen auf
jeden Fall wieder touren. Nun, wo das Album draußen ist, wird sich
hoffentlich etwas ergeben. Eigentlich wollten wir ja auch letztes Jahr zusammen
mit Kreator und Moonspell auf Tour gehen, aber wir mußten in letzter
Minute die Geschichte abblasen. Moonspell waren die Headliner auf der
Tour und Kreator sollten davor auf die Bühne gehen. Uns erzählte man, wir
würden vor Kreator spielen, was wir dann auch für ca. 50 Minuten getan
hätten, wie wir es immer tun. Doch plötzlich erzählte uns der
Veranstalter, daß Witchery nun auch auftreten sollten und zwar nach uns. Wir
hätten also als Opener fungiert und nur 30 Minuten Spielzeit gehabt, aber
das wollten wir ehrlich gesagt nicht, denn vier Wochen unterwegs zu
sein, um nach so langer Abstinenz 30 Minuten zu spielen wäre Verarsche
besonders an unseren Fans gewesen!
Kann man nur hoffen, daß die Band in Sachen Tourplanung in diesem Jahr ein glücklicheres Händchen hat denn nicht nur die deutschen Fans warten seit mehreren Jahren sehnsüchtigst darauf, Katatonia live zu sehen, es wäre das erste Mal seit sechs Jahren. Ähnlich sehnsüchtig erwartete man das neue Album der Band, welches nun endlich veröffentlicht ist und eine klare Weiterentwicklung der Schweden darstellt. Ja, ich glaube, "Last Fair Deal Gone Down" ist ganz deutlich eine Weiterentwicklung Katatonias. Wir haben dieses Mal besonders an den Arrangements viel intensiver gearbeitet, als auf den vorherigen Alben und wollten unseren Stil einfach noch ausfeilen. Auch auf die Produktion haben wir besonders geachtet und der Sound ist viel besser als auf "Tonight´s Decision". In der Tat klingt die neue Langrille noch ein wenig erwachsener als der schon geniale Vorgänger, die Essenz der Musik an sich ist jedoch immer noch bodenlose Traurigkeit... Ich denke nicht, daß Schweden ein Land ist, welches besondere Depressivität weckt, dieses Gefühl der Traurigkeit ist einfach da weil man lebt und dieselben Probleme hat, mit denen sich jeder Mensch herumschlägt. Wir laufen nicht gerade die ganze Zeit herum und sind traurig, ich versuche nur, meine negativen Gefühle zu kontrollieren und durch die Musik zu kompensieren. Unsere Musik reflektiert unser Leben, wenn es auf einem Tiefpunkt angelangt ist, wir sind zwar nicht ständig am Boden, aber ich muß auch sagen, daß wir nicht gerade die Witzemacher der Nation sind. Irgendwie sind wir alle recht ruhige Personen, wir geben also nicht vor, ständig traurig zu sein. Ich bin ein Mensch, der gern und viel allein ist und gar nichts tut, klar habe ich auch meine fröhlichen Momente, die sind aber wirklich eher selten. Das dürfte sich natürlich auch wieder einmal in den Texten widerspiegeln... Ich habe wieder versucht, mich mit Problemen zu beschäftigen, die du hast, wenn du lebst, ständig beeinflußt dich etwas neues, wenn du dich umschaust oder andere Menschen triffst. Meine Texte handeln von Dingen, die mich im Alltag beschäftigen. "Teargas" beispielsweise ist eine Art Reflektion einer zerbrochenen Beziehung, in der ich versucht habe, die üblichen Klischees beiseite zu lassen und einfach meine Gefühle zu äußern. Es klingt möglicherweise geschwollen, aber es ist sehr einfach. Weniger einfach und verständlich wirkt der Albumtitel "Last Fair Deal Gone Down", doch auch hier war die Intention des Urhebers eine recht simple. Ich wollte das Gesamtbild des Albums, der Musik und der Texte im Titel widergeben, dadurch bin ich irgendwann auf "Last Fair Deal Gone Down" gekommen. Zumindest mir bedeutet der Albumtitel sehr viel. Ich wollte damit das Gefühl ausdrücken, das du hast, wenn du eine Menge guter Chancen, die dein Leben zum positiven verändert hätten, verpaßt hast; wenn du weißt, daß du eine Sache hattest tun müssen, aber es ist zu spät dafür. Eine Chance, etwas zu verändern sahen auch Katatonia, als sie nach "Brave Murder Day" ihren Stil merklich weiterentwickelten und sich in erster Linie vom Death Metal weit entfernten. Ich denke, das hatte viele Gründe. Als wir noch Death Metal -oder wie auch immer du es nennen magst- gemacht haben, war ich ja auch für den Gesang zuständig. Irgendwann habe ich dann aber gemerkt, daß meine Stimme einfach nicht mit dem Stil klar kam und ich sie mir systematisch kaputt machte. Für "Brave Murder Day" hat dann ja Mikael von Opeth den Gesangspart übernommen, was aber auch nur passierte, weil wir damals die Möglichkeit hatten, ihn einfach kurzfristig anzurufen. Er kam dann für eine Nacht vorbei und sang alles am Stück ein, das war damals eine sehr spontane Entscheidung. Als wir dann in den Aufnahmen zu "Discouraged Ones" steckten, wußten wir, daß sich etwas ändern mußte. Wir wußten, daß wir Mikael nicht schon wieder nerven konnten, da er sehr mit Opeth beschäftigt war, allerdings wollten wir auch keinen neuen Sänger in die Band holen. Also war es wieder an mir, mich ans Mikro zu stellen und es mit normalem Gesang zu probieren, worüber wir auch vorher schon einige Male gesprochen hatten. Es gab für uns quasi keine andere Möglichkeit, außerdem ist unsere Musik wie geschaffen für klaren Gesang, du kannst ihr völlig neue Dimensionen geben. Möglicherweise klang das damals ungewöhnlich für viele Leute, aber ich denke, es war der einzige Schritt, den wir wirklich tun mußten und auch wollten. Wir werden wahrscheinlich auch live keine der alten Sachen mehr spielen, denn jetzt haben wir drei Alben im "neuen" Stil und ich kann eben auch nicht so einfach wieder so singen wie früher. Wenn ich in der Mitte des Auftrittes anfangen würde zu schreien, wäre es wirklich schwierig für mich, danach wieder normal zu singen. Und dieser Schritt war auch meiner Meinung nach ein Schritt in die richtige Richtung, immerhin frönte Jonas den härteren Klängen noch mit seinem Projekt October Tide, welches sehr stark nach Katatonia zu "Brave Murder Day"-Zeiten klang. Aber auch damit ist nun scheinbar Schluß. October Tide ist tot und begraben. Frederik und ich haben einfach eingesehen, daß wir uns vollständig auf Katatonia konzentrieren sollten. Es gab Zeiten, in denen die Musik beider Bands sehr ähnlich klang, das war teilweise echt eigenartig. Manchmal, wenn wir versucht haben, October Tide-Songs zu schreiben, klangen die wie unsere neuen Katatonia-Songs, also war die ganze Sache hinfällig. Schade eigentlich, denn so brauchte man die alten Zeiten nicht ganz so arg zu vermissen, aber die neuen Zeiten geben uns ja eigentlich schon genug. Zwar klingt Katatonia lange nicht mehr nach Death Metal, sondern nach.....Verdammt, wonach klingen die Jungs eigentlich? Ich glaube, das ist wirklich schwierig, denn selbst ich weiß nicht, wie ich unsere Musik beschreiben könnte. Unsere Wurzeln liegen deutlich im Metal, da wir über viele Jahre diese Musik gehört und gespielt haben, aber mittlerweile erzählen uns einige Leute, daß wir Rock spielen, manche meinen sogar Gothic Rock. Ich bin in dieser Hinsicht ein wenig verwirrt, dennoch denke ich, daß wir ziemlich dunkle, depressive Musik machen. Wenn Leute es Gothic Metal oder Gothic Rock nennen wollen, sollen sie das tun, obwohl ich selbst diesen Vergleich eher scheue, denn von dieser sogenannten Gothic-Szene heben wir uns ja nun eindeutig ab. Wie wahr! Katatonia haben ihren völlig eigenen Stil gefunden und sollten diesen auch nicht so schnell wieder hergeben. Göttliche Band! (cs) |
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